Jungschar - Jungscharleiter

Praktische Ideen für die Jungschar

Bausteine

und der kleine Mann auf seinem Baum

praktische-ideen-jungschar/images/jsl-2005-02-s18.gifRudi erzählt: Oh Mann, das gibt’s ja wohl gar nicht. Was die Leute sich alles so erlauben, einfach eine Frechheit. Neulich erst, der kleine Mann, steigt mitten auf meinen Baum. Ohne mich zu fragen. Und drei Äste hat er dabei auch noch abgebrochen. Ich war sauer wie eine Zitrone. Unverschämtheit so was. Mich würde interessieren, was der machen würde, wenn ich einfach in sein Wohnzimmer einfliegen und alles durcheinander bringen würde. Wie Kraut und Rüben sah es in meinem Baum hinterher aus.
Aber danach fragt ja keiner. Mit mir kann man das ja machen. Ich bin ja nur ein kleiner Rabe. Ach so, ja, ich hab mich ja noch gar nicht vorgestellt. Ich heiße Rudi, Rudi Rabowski. Und ich lebe hier in diesem herrlichen Maulbeerbaum. Mitten in Jericho- City. Aber zurück zu diesem Fiesling, der sich in meinem Baum breit machen wollte. Den konnte nämlich keiner leiden. Keiner in der ganzen Stadt. Und daran war der selber schuld. Der war einer von diesen Zolleinnehmern – genauer gesagt war er der Chef von den Zolleinnehmern. Jeder Händler, der in der Stadt seine Waren verkaufen will, muss an diesen Zöllnern vorbei und für seine Waren Zoll bezahlen.

Das an sich ist ja nicht so schlimm, aber die Blödies von Zöllnern nehmen den Leuten immer zu viel Geld ab und keiner kann dagegen etwas machen. Bei den Römern braucht man sich gar nicht erst beschweren, die stecken mit denen unter einer Decke. Und jetzt hockte der Typ in meinem Baum. Ihr fragt euch sicher, was der auf meinem Baum wollte. Ich kann es euch verraten.
Die ganze Stadt war außer Rand und Band, und das mit gutem Grund. Jesus war nämlich in der Stadt. Ihr habt richtig gehört: Jesus, der Sohn Gottes, war da und jeder wollte ihn sehen. Natürlich auch der Zwerg einige Äste unter mir. Da gab es nur zwei Probleme:
Erstens, der Mann war ziemlich klein und deswegen konnte er nicht so viel sehen, wenn er nicht gerade ganz vorne stand. Und das war sein zweites Problem: Es brauchte ja keiner mitbekommen, dass er Jesus sehen wollte. Also kletterte er genau auf meinen Baum. Und tatsächlich kam Jesus vorbei und mein ungebetener Besuch sah ihn.
Aber es kam noch besser. Genau unter meinem Baum blieb Jesus stehen. Als ob er gewusst hätte, dass sich oben im Geäst meines Baumes jemand versteckt hätte. Er blieb also stehen, schaute herauf und rief dem kleinen Mann zu, er solle herunter kommen und er, Jesus, wollte heute zu ihm kommen und ihn besuchen. Das war ja dann wohl der Hit in Tüten. Erst verwüstet der Wüstling meinen ganzen Baum, und dann darf ausgerechnet der auch noch Jesus in seinem Haus begrüßen. Aber darüber habe nicht nur ich mich aufgeregt. Die halbe Stadt fand das ungeheuerlich. Vor allem die Schriftgelehrten und Pharisäer. Ich bin natürlich hinterhergeflogen. Ich wollte ja wissen, wie das Ganze weiter ging.
Als sie dann im Haus von dem Knirps waren, da gab es dann ganz dick was zu essen. Der Bursche war nämlich kein Armer, gewiss nicht. Bei den ganzen Gaunereien. Und auf einmal, ich weiß überhaupt nicht wie es dazu kam, stand unser Zöllner auf und sagte zu Jesus etwas ganz Großartiges. Er wolle die Hälfte seines Besitzes den Armen geben, und wenn er jemanden betrogen habe, wolle er das vierfach wieder gut machen. Ich dachte erst, das hätt’ ich nur geträumt. Das hat der doch nicht wirklich gesagt. Doch es war tatsächlich wahr. Und Jesus, was sagte der: „Heute ist diesem Hause Heil wiederfahren.“ Da hab ich nur gedacht, wenn Jesus auch mal zu mir kommen würde, dann wäre bei mir auch alles ganz schnell wieder im Lot. Wie hat Jesus das nur gemacht, dass der Bursche sich auf einmal so wandelt? Und wie hat der Bursche das geschafft, dass Jesus zu ihm zu Besuch kommt?

Frank Ortmann

 

Rudi Rabowski - Praktische Ideen Jungschar (Druckansicht)