
Darüber reden!
Ich sitze in der U-Bahn, mir gegenüber ein achtjähriger Junge und seine Mutter. Scheinbar aus dem Nichts heraus die Frage des Kindes: „Gell, die Oma stirbt bald, oder?“. Die Mutter mit Blick zu mir reagiert unwirsch und impulsiv: „Das ist viel zu traurig, darüber müssen wir nicht reden.“ Das Kind fragt nicht weiter. Stumm schauen beide zum Fenster hinaus, jeder in eine andere Richtung.
Ich bin nachdenklich und traurig. Solche und ähnliche Situationen gibt es häufig. Das Thema Tod macht betroffen und hilflos. Erwachsene kommen an eigene Grenzen. Kinder bleiben mit ihren Fragen allein. Deshalb dürfen wir den Tod nicht totschweigen. Er gehört zum Leben dazu. Vom ersten Atemzug an gehen wir auf den Tod zu. Diese Botschaft soll keine Angst machen, sondern sie macht unsere Lebenszeit zu einer ungeheuer kostbaren Zeit. Das greifen biblische Texte in Fülle auf. Psalm 90,12: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Der Psalmist weiß um die Bedeutung eines guten Nachdenkens über unsere Lebensbegrenzung. Wie tröstlich ist es als Christ darauf zu trauen, dass meine Zeit in Gottes Händen liegt. Ich kann ruhig sein in Gott und ich kann leben mit der Zusage Jesu: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“.
Deshalb soll dieses „fit für kids“ Mut machen, angemessen mit Kindern über das Thema Tod zu sprechen. Es ist nur ein kleiner Anstoß zum eigenen Nachdenken. Wer konkret mit Todesund Trauerfällen in der Jungschargruppe konfrontiert ist, sollte sich eingehender mit den Buchtipps auf den Seiten 54 und 55 befassen oder professionelle Beratung in Anspruch nehmen.
A.) Kinder ab sieben oder acht Jahren
Sie verstehen Tod als etwas Endgültiges, der Verstorbene kommt nicht wieder. Der Tod wird dennoch nicht ganz begriffen. Verlust und Trauer können schwer in Worte gefasst werden. Ein Ausdruck der Gefühle ist eher über Spielen, Malen, kreatives Gestalten möglich. Die untrügliche Gewissheit, dass alle Menschen (auch eigene Eltern, Familie) sterben können, löst bei manchen Kindern Ängste aus. Parallel entstehen viele konkrete Fragen zu Tod und Sterben. Erstmals gibt es in dieser Phase ein bewusstes Verständnis der menschlichen Seele. Folglich entsteht die Frage: „Wo ist der Tote jetzt?“
Wie können wir angemessen reagieren?
B.) Kinder ab zehn bis vierzehn Jahren
In diesem Alter haben Kinder meist realisiert, dass der Tod ein unausweichliches Ende des Lebens ist. Sie haben ein großes Bedürfnis nach genauer Information und wollen ernst genommen werden. In ihrer vorpubertären/pubertären Situation wird die Meinung anderer Menschen (Freunde) und die der Medien zusätzlich wichtig. Unterschiedliche Aussagen werden verglichen. Das führt zu sehr kritischen Rückfragen. Sie begreifen, dass der Tod von Angehörigen sie selbst betrifft und auch von ihnen bewältigt werden muss. Im Trauerprozess durchleben sie ähnliche Phasen wie Erwachsene. Gefühle werden allerdings oft indirekt ausgedrückt. Im Gegensatz zu jüngeren Kindern wird Trauer weniger in Spiel oder kreativen Dingen ausgedrückt. Viel häufiger wird die Trauer im Beziehungsverhalten oder körperlichen Symptomen sichtbar. Dies reicht von Müdigkeit, Kopf- oder Bauchschmerzen über Gereiztheit und Aggressivität bis hin zur Leistungsverweigerung in der Schule.
Wie können wir angemessen reagieren?
Kinder suchen Menschen, die sie zusätzlich zu ihrer Kernfamilie stärken und begleiten. Diese Aufgabe kann eine Herausforderung sein. Folgende Punkte sollen eine Hilfe für Gruppenleiter sein.
Wie Kinder in Trauersituationen reagieren, hängt von der Einstellung der Eltern und der Umgebung, von der Art des Todes, vom Alter des Kindes, seinen religiösen Vorstellungen und anderen Faktoren ab. Das gemeinsame Erleben in der Jungschargruppe ist nur eines von vielen Puzzleteilchen im großen Gefüge. Ob es ein kraftspendendes und mutmachendes Teil wird, liegt bei dir.
Betet und gestaltet Klagepsalmen. Gestaltet Psalm 22 für jedes Kind.
Spielvorschlag: „Heißer Stuhl“ Die Kinder dürfen Fragen zu einem kniffligen Thema stellen, die ehrlich und offen von einem Mitarbeiter beantwortet werden.
Beate Hofmann